Abnehmen leicht gemacht?

Abnehmen leicht gemacht

In der öffentlichen Diskussion wird häufig behauptet, dass Menschen sich das Abnehmen „zu einfach machen“, wenn sie mit einer Magenverkleinerung oder der sogenannten Abnehmspritze Gewicht verlieren. Lange Zeit richtete sich die Kritik vor allem gegen bariatrische Operationen, mittlerweile ist sie aber oft auf medikamentöse Therapien gerichtet. Das zugrunde liegende Urteil bleibt dabei meist dasselbe, nur das eingesetzte Hilfsmittel ändert sich.

Was hierbei oft außer Acht gelassen wird: In der überwiegenden Zahl der Fälle sind diese Wege medizinisch begründet und keine bequeme Abkürzung aus mangelnder Disziplin. Sie erfordern Eigenverantwortung, Engagement und langfristige Mitarbeit und sind keineswegs „einfach“.

Abnehmen bedeutet weit mehr als nur Hunger auszuhalten. Unabhängig vom gewählten Weg geht es immer um nachhaltige Lebensstilveränderungen. Dazu gehören regelmäßige Bewegung, eine dauerhafte Ernährungsumstellung, die Auseinandersetzung mit der eigenen Gesundheit und das Verständnis für die Ursachen von Übergewicht. Diese Ursachen können sowohl körperlicher als auch psychischer Natur sein. Die größte Herausforderung stellt dabei häufig die langfristige Gewichtsstabilisierung dar.

Die drei Wege im Vergleich

Beim Abnehmen ohne medizinische Unterstützung stehen Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderung im Mittelpunkt. Viele Menschen sind damit erfolgreich. Diese Leistung verdient Anerkennung und Respekt.

Medikamentöse Therapien wie sogenannte GLP-1-Rezeptoragonisten (oft „Abnehmspritze“ genannt) wirken vor allem über ein verändertes Hunger- und Sättigungsgefühl. Sie können den Einstieg erleichtern, ersetzen jedoch keine Lebensstiländerung. Die aktive Mitarbeit bleibt auch hier unabdingbar.

Bariatrische Chirurgie wie ein Schlauchmagen oder Bypass verändert die Anatomie des Verdauungssystems und beeinflusst den Stoffwechsel. Auch hierbei gilt: Ohne aktive Lebensstiländerung bleibt der langfristige Erfolg aus. Die OP ist ein unterstützendes Werkzeug, kein Ersatz für Eigenleistung.

Der Unterschied zwischen diesen drei Wegen liegt nicht in der Disziplin oder im persönlichen Einsatz, sondern ausschließlich im medizinischen Hilfsmittel. Der grundlegende Weg der Veränderung bleibt bei allen Optionen derselbe.

Stigmatisierung hilft niemandem

Übergewicht und Adipositas sind stark stigmatisiert. Vorurteile, Schuldzuweisungen und soziale Ausgrenzung sind häufige Erfahrungen für Betroffene. Diese Stigmatisierung wirkt sich nachweislich negativ auf die psychische Gesundheit aus und kann Abnahmeprozesse sogar behindern.

Eine international vielzitierte Expertise zu Gewichtsstigma wurde 2020 in The Lancet Diabetes & Endocrinology veröffentlicht und zeigt, dass Wissenslücken und Gewichtsstigma die Einstellungen gegenüber Adipositas prägen und Vorurteile verstärken können:
O’Keeffe et al., The Lancet Diabetes & Endocrinology 2020

Adipositas wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als chronische und multifaktorielle Erkrankung beschrieben, die weit mehr umfasst als Willenskraft allein. Diese Einordnung unterstreicht, dass Unterstützung und seriöse Information wichtiger sind als Schuldzuweisungen.

Warum ein erleichterter Einstieg legitim ist

Medizinische Unterstützung kann den Einstieg in eine Gewichtsreduktion erleichtern. Das bedeutet jedoch nicht, dass der gesamte Weg leicht ist. Ein erleichterter Einstieg kann helfen, erste Hürden zu überwinden und nachhaltige Veränderungen überhaupt erst zu ermöglichen.

Problematisch wird es erst dann, wenn diese Methoden in sozialen Medien als schneller „Fix“ dargestellt werden. Solche Vereinfachungen können Menschen, die diese Unterstützung aus medizinischen Gründen benötigen, zusätzlich belasten und die Stigmatisierung verstärken.

Seriöse Informationen statt Halbwissen

Wer sich fundiert informieren möchte, sollte auf verlässliche und wissenschaftlich fundierte Quellen zurückgreifen. Dazu zählen unter anderem:

Diese Organisationen informieren sachlich, evidenzbasiert und ohne moralische Bewertung über Optionen, Einsatzgebiete und wissenschaftliche Hintergründe.

Ein gemeinsames Anliegen

Jeder Abnehmweg verdient Akzeptanz und Respekt. Aus individuellen Entscheidungen sollte keine Konkurrenz entstehen. Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte, seine Voraussetzungen und Herausforderungen mit. Unabhängig vom gewählten Weg erfordert eine Gewichtsreduktion Kraft, Durchhaltevermögen und Mut.

Abnehmen ist immer ein Prozess und eine persönliche Reise. Niemand muss Leid ertragen, um ernst genommen zu werden.

Hinweis
Dieser Text ist kein medizinisch fundierter Fachbericht und ersetzt keine ärztliche Beratung. Es wird dringend empfohlen, vor Beginn einer Gewichtsabnahme eine medizinische Fachberatung in Anspruch zu nehmen und gemeinsam zu entscheiden, welcher Weg individuell sinnvoll ist. Als Anlaufstelle für Beratung und Betreuung wird unter anderem das Adipositas Zentrum Rotenburg (Wümme) empfohlen.

Adipositas Selbsthilfegruppe Rotenburg (Wümme)

Wo?

Casino, 5. OG, Haupthaus des
Agaplesion Diakonieklinikum 
Elise-Averdieck-Straße 17
27356 Rotenburg (Wümme)

Wann?

19.00 Uhr bis ca. 21 Uhr
Jeden dritten Dienstag im Monat

Noch Fragen? Unsicher?

Schreib uns gerne ganz unverbindlich.

Gruppenleitung: Sascha Pies, M. A. 
E-Mail: Adipositas-SHG-ROW@online.de
Website: www.adipositas-shg-row.de
Instagram: @adipositas.shg.row